Ein Alkoholentzug verläuft individuell, folgt aber einem erstaunlich verlässlichen zeitlichen Muster. Dieser Leitfaden zeigt dir Tag für Tag, was im Körper und im Kopf passiert: vom ersten Zittern nach wenigen Stunden bis zur langfristigen Stabilisierung nach Monaten. Die Inhalte orientieren sich an der S3-Leitlinie "Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen" der AWMF und an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht).
⚠️ Wichtiger Hinweis: Ein schwerer Alkoholentzug kann lebensbedrohlich sein. Wer über längere Zeit täglich oder in größeren Mengen getrunken hat, sollte vor dem Absetzen ärztlichen Rat einholen. Bei Krampfanfällen, Halluzinationen oder schwerer Verwirrtheit sofort den Notruf 112 wählen.
Alkoholentzug verstehen: Was im Körper passiert
Alkohol dämpft das zentrale Nervensystem. Bei regelmäßigem Konsum gleicht das Gehirn diese Dämpfung mit erhöhter Erregbarkeit aus: GABA-Rezeptoren werden weniger empfindlich, die Glutamat-Aktivität steigt. Fällt der Alkohol plötzlich weg, läuft dieses Gegengewicht ungebremst weiter, und das Nervensystem gerät in einen Übererregungszustand: zittrige Hände, Herzrasen, Schweißausbrüche, innere Unruhe.
Wie schwer der Entzug ausfällt, hängt von mehreren Faktoren ab:
- Trinkdauer und -menge: Je länger und intensiver getrunken wurde, desto stärker der Entzug.
- Frühere Entzüge: Mit jedem weiteren Entzug verschlimmern sich die Symptome (Kindling-Effekt).
- Allgemeiner Gesundheitszustand: Leberfunktion, Herz-Kreislauf-System und Ernährungszustand spielen mit.
- Alter, Geschlecht und Genetik: Frauen entwickeln Entzugserscheinungen häufig schon bei geringeren Mengen.
- Begleiterkrankungen und Medikamente: Vor allem Schlafmittel und andere Sedativa können das Bild verändern.
Die Phasen des Entzugs im Überblick
Im klinischen Sprachgebrauch wird der gesamte Entzugsprozess in vier Phasen gegliedert:
- Motivationsphase: Die Entscheidung aufzuhören und der Aufbau einer ersten Stützstruktur.
- Entgiftung (körperlicher Entzug): Die ersten Tage bis Wochen, in denen der Körper die akuten Symptome bewältigt.
- Entwöhnung (qualifizierter Entzug): Psychotherapeutische Arbeit an Auslösern und Bewältigungsstrategien, häufig stationär über mehrere Wochen.
- Nachsorge: Stabilisierung im Alltag, oft begleitet durch Selbsthilfegruppen oder ambulante Therapie.
Dieser Artikel beschreibt vor allem die ersten beiden Phasen, weil dort der Tag-für-Tag-Verlauf am eindeutigsten ist. Eine breitere Übersicht über den gesamten Weg findest du im vollständigen Leitfaden zum Aufhören mit Alkohol.
Alkoholentzug Tag für Tag
Tag 1 (0 bis 24 Stunden): Die ersten Symptome
Erste Entzugserscheinungen setzen bei vielen Menschen schon sechs bis zwölf Stunden nach dem letzten Drink ein. Wer eine ausführliche Beschreibung der allerersten Stunden sucht, findet sie unter die ersten 24 Stunden ohne Alkohol.
Körperliche Symptome:
- Leichtes Händezittern, vor allem morgens
- Übelkeit und Appetitlosigkeit
- Kopfschmerzen und Mundtrockenheit
- Schwitzen, Hitzewallungen, leicht erhöhter Puls
- Schlafstörungen
Psychische Symptome:
- Unruhe und gereizte Stimmung
- Konzentrationsprobleme
- Starkes Verlangen, etwas zu trinken
Was tun: Viel trinken (Wasser, ungesüßter Tee, Elektrolytlösungen), kleine Mahlzeiten, B-Vitamine ergänzen und einen vertrauten Menschen einweihen. Bei bestehender starker Abhängigkeit jetzt ärztliche Begleitung organisieren, nicht erst, wenn es schlimmer wird.
Tag 2 (24 bis 48 Stunden): Symptome verstärken sich
Zwischen Stunde 24 und 48 verstärken sich die körperlichen Beschwerden deutlich. Diese Phase wird von Betroffenen oft als die mit dem schlechtesten Allgemeinbefinden beschrieben.
Körperliche Symptome:
- Deutlich stärkeres Zittern, manchmal am ganzen Körper
- Anhaltendes Schwitzen
- Erhöhter Blutdruck, schneller und unregelmäßiger Puls
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- Komplette Schlaflosigkeit ist möglich
Psychische Symptome:
- Massive innere Unruhe
- Reizbarkeit und schnelle Stimmungsumschwünge
- Erste Wahrnehmungsstörungen wie Lichtempfindlichkeit oder akustische Verzerrungen
Was tun: Reize reduzieren (gedämpftes Licht, ruhige Umgebung), regelmäßig kleine Bissen essen, Puls und Temperatur beobachten. Bei sehr hohem Blutdruck, anhaltendem Erbrechen oder beginnender Verwirrtheit jetzt ärztlich abklären lassen, nicht abwarten.
Tag 3 (48 bis 72 Stunden): Der Höhepunkt
Der dritte Tag ist für die meisten Menschen der Höhepunkt des akuten Entzugs. Wer überhaupt ein Delirium tremens entwickelt, beginnt es typischerweise jetzt: etwa fünf bis fünfzehn Prozent aller Schwerabhängigen sind betroffen, wenn der Entzug nicht ärztlich begleitet wird.
Körperliche Symptome:
- Stärkstes Zittern und Schwitzen
- Sehr schneller Puls (über 100 Schläge pro Minute), Blutdruckspitzen
- Fieber bis 38,5 °C ist möglich
- Krampfanfälle vom Grand-Mal-Typ können auftreten, meist zwischen Stunde 24 und 48, gelegentlich noch am dritten Tag
Psychische Symptome:
- Visuelle, akustische oder taktile Halluzinationen
- Verwirrtheit, Desorientierung in Zeit und Ort
- Starke Angst, Panikgefühle
Was tun: Spätestens jetzt gilt: Wenn auch nur ein Verdacht auf Delirium tremens, Krampfanfall oder schwere Halluzinationen besteht, sofort den Notruf 112 wählen. Unbehandelt liegt die Sterblichkeit beim Delir bei 15 bis 35 Prozent, mit medizinischer Versorgung sinkt sie auf unter 5 Prozent.
Tag 4 (72 bis 96 Stunden): Was passiert nach 96 Stunden ohne Alkohol
Nach 96 Stunden, also vier vollen Tagen, hat die große Mehrheit der Menschen den körperlichen Höhepunkt hinter sich. Wer keine schweren Komplikationen entwickelt hat, merkt jetzt die ersten echten Verbesserungen, gleichzeitig bleibt das Risiko für ein verspätet auftretendes Delirium tremens noch bestehen.
Körperliche Symptome:
- Zittern wird sichtbar schwächer
- Puls und Blutdruck nähern sich Normalwerten
- Schwitzen lässt nach
- Appetit kehrt langsam zurück, häufig zuckerlastig
Psychische Symptome:
- Wahrnehmungsstörungen klingen ab, falls sie aufgetreten waren
- Stimmung schwankt weiter, ist aber weniger explosiv
- Konzentrationsfähigkeit bleibt eingeschränkt ("Nebel im Kopf")
- Verlangen bleibt häufig deutlich spürbar
Was tun: Die neue Energie nicht überschätzen. Viele rutschen genau jetzt in einen Rückfall, weil sie sich besser fühlen und die Gefahr unterschätzen. Schlaf priorisieren, leichte Bewegung an der frischen Luft, und realistisch planen: die nächsten Tage werden besser, aber nicht problemfrei.
Tag 5 bis 7: Die akute Phase klingt ab
Am Ende der ersten Woche sind die akuten körperlichen Entzugssymptome bei den meisten Menschen weitgehend abgeklungen.
Körperliche Symptome:
- Restzittern nur noch in Stresssituationen
- Schlaf wird länger, ist aber noch zerstückelt
- Verdauung normalisiert sich
- Erste sichtbare Verbesserung der Haut und der Augen
Psychische Symptome:
- Niedergeschlagenheit, weil das erwartete Hochgefühl nach der Übersteh-Phase ausbleibt
- Lebhafte, oft beunruhigende Träume
- Verlangen kommt in Wellen statt durchgehend
Was tun: Tagesstruktur aufbauen, denn Leerlauf macht Rückfälle wahrscheinlicher. Wer bis hierhin allein gekommen ist, sollte jetzt spätestens den Schritt in eine Beratungsstelle, Selbsthilfegruppe oder ambulante Therapie machen. Der psychische Anteil wird erst in dieser Phase voll sichtbar, und der wissenschaftliche Hintergrund zum Verlangen erklärt, warum es jetzt besonders trügerisch wirkt.
Woche 2 bis 4: Frühe Erholung
Körperliche Symptome:
- Schlafarchitektur stabilisiert sich, Tiefschlaf und REM-Phasen nehmen zu
- Leberwerte beginnen messbar zu sinken
- Gewicht verändert sich, oft nach unten
- Hautbild wird ruhiger, Augen klarer
Psychische Symptome:
- Stimmung wird stabiler, schwankt aber noch
- Verlangen wird seltener, kann in sozialen Situationen schlagartig kommen
- Reizbarkeit nimmt ab
Was tun: Trigger identifizieren und Routinen verändern, bevor sie zur Probe werden. Wer Hilfe annimmt, sei es Therapie, Selbsthilfe oder eine einfache Begleitung Tag für Tag mit Sober Tracker, hat in dieser Phase deutlich bessere Chancen, stabil zu bleiben.
Monat 2 bis 3: Stabilisierung
Körperliche Symptome:
- Belastbarkeit und Energie auf neuem Niveau
- Schlafqualität meist deutlich verbessert
- Leberwerte oft bereits im Normalbereich, wenn keine bleibenden Schäden vorliegen
Psychische Symptome:
- Konzentration und Gedächtnis kehren zurück
- Anhedonie, also abgeflachte Freude, taucht zwischendurch auf
- Selbstbild beginnt sich zu verändern
Was tun: Diese Phase ist trügerisch ruhig. Genau hier setzt häufig das post-akute Entzugssyndrom (PAWS) ein, mit Stimmungswellen ohne erkennbaren Auslöser. Die Strukturen aus den ersten Wochen beibehalten.
Monat 6 und länger: Langfristige Erholung
Körperliche Symptome:
- Herz-Kreislauf-Profil verbessert sich messbar (Blutdruck, Ruhepuls, Herzfrequenzvariabilität)
- Krebsrisiko, vor allem im Mund-Rachen-Raum und in der Leber, beginnt zu sinken
- Hormonelle Achsen pendeln sich neu ein
Psychische Symptome:
- Emotionale Bandbreite kehrt zurück
- Soziale Beziehungen werden ehrlicher
- Identität als "nicht-trinkender Mensch" verfestigt sich
Was tun: Realistische Erwartungen behalten. Das Rückfallrisiko bleibt vor allem im ersten Jahr erhöht, schon ein Drink kann den Kindling-Effekt wieder anstoßen. Routinen, soziales Umfeld und Selbsthilfe weiter pflegen.
Wann ist das Schlimmste vorbei?
Für die meisten Menschen ist der Höhepunkt der akuten körperlichen Symptome zwischen Tag 2 und Tag 3 erreicht, also etwa 48 bis 72 Stunden nach dem letzten Drink. Ab Tag 4 (96 Stunden) verbessern sich Zittern, Puls, Blutdruck und Schwitzen spürbar. Nach Tag 5 bis 7 sind die akuten körperlichen Entzugserscheinungen bei einem unkomplizierten Verlauf weitgehend überstanden.
Das gilt für den Körper. Psychische Symptome, vor allem Schlafstörungen, Angst, depressive Phasen und Verlangen, halten dagegen häufig Wochen bis Monate an. Wer nach der ersten Woche "fertig" sein will und enttäuscht ist, dass es das emotional nicht ist, übersieht meistens nur, dass der körperliche und der psychische Entzug auf zwei unterschiedlichen Zeitachsen liegen. Ergänzend lohnt sich der Blick auf Angst während des Entzugs und auf Schlafprobleme nach dem Aufhören mit Alkohol.
Wie lange zittern nach Alkoholentzug?
Das Zittern (Tremor) beginnt typischerweise sechs bis zwölf Stunden nach dem letzten Drink und erreicht zusammen mit dem restlichen Entzug zwischen Stunde 24 und 72 seinen Höhepunkt.
- Milder bis mittelschwerer Entzug: Das Zittern lässt zwischen Tag 4 und Tag 7 deutlich nach und ist nach etwa einer Woche meist verschwunden.
- Schwerer Entzug oder Delirium tremens: Das Zittern kann zwei bis drei Wochen anhalten, in Einzelfällen länger.
- Langjährige Abhängigkeit: Ein feines Restzittern, vor allem morgens oder unter Stress, kann mehrere Wochen bis Monate bestehen bleiben, bis sich das vegetative Nervensystem vollständig erholt hat.
Anhaltendes oder zunehmendes Zittern nach Tag 7 ist ein Grund, ärztlich abklären zu lassen, ob Folgeschäden oder andere Ursachen wie ein essenzieller Tremor mitwirken.
Post-akutes Entzugssyndrom (PAWS)
Nicht jeder Entzug endet mit der akuten Phase. Etwa drei von vier Menschen mit längerer Alkoholabhängigkeit erleben in den Monaten danach ein post-akutes Entzugssyndrom, kurz PAWS (post-acute withdrawal syndrome).
Typische PAWS-Symptome:
- Stimmungsschwankungen ohne klaren Auslöser
- Angst und depressive Phasen
- Schlafstörungen mit lebhaften Träumen
- Erhöhte Stressempfindlichkeit
- Konzentrations- und Gedächtnislücken
- Anhedonie, also abgeflachte Freude
- Verlangen, das in Wellen wiederkommt
Zeitlicher Verlauf:
- Monat 1 bis 3: Erste Wellen, oft nach Wochen scheinbarer Stabilität.
- Monat 3 bis 6: Symptome werden seltener, einzelne Phasen können aber stark sein.
- Monat 6 bis 12: Klare Abnahme in Häufigkeit und Intensität.
- Nach einem Jahr: PAWS-Symptome treten nur noch in besonderen Stresssituationen auf.
PAWS ist kein Zeichen, dass etwas falsch läuft, sondern Ausdruck der langsamen Neujustierung des Nervensystems. Wer das einordnen kann, erlebt eine PAWS-Welle als unangenehm, aber nicht mehr als Beweis für einen "Rückfall ins alte Muster". Vertiefend dazu der ausführliche PAWS-Leitfaden mit Bewältigungsstrategien.
Wann ärztliche Hilfe nötig ist
Es gibt klare Situationen, in denen ein Alkoholentzug nicht zu Hause stattfinden sollte. Die S3-Leitlinie "Alkoholbezogene Störungen" empfiehlt eine medizinisch begleitete Entgiftung, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien zutrifft:
- Täglicher Konsum von mehr als 60 Gramm reinem Alkohol bei Männern bzw. 40 Gramm bei Frauen über mehrere Monate
- Frühere Entzüge mit Krampfanfall, Delirium tremens oder Halluzinationen
- Bekannte Herz-, Leber- oder Stoffwechselerkrankungen
- Schwangerschaft
- Gleichzeitige Einnahme von Benzodiazepinen, Opioiden oder bestimmten Antidepressiva
- Psychiatrische Begleiterkrankungen wie Depression, bipolare Störung oder Psychose
Sofort den Notruf 112 wählen bei:
- Krampfanfall, auch wenn er von allein aufhört
- Halluzinationen oder schwerer Verwirrtheit
- Anhaltendem Erbrechen, das Flüssigkeitsaufnahme unmöglich macht
- Brustschmerzen, Atemnot oder unregelmäßigem Herzschlag
- Fieber über 38,5 °C
- Hinweisen auf ein Delirium tremens: starke Verwirrtheit, Halluzinationen, Tremor und vegetative Übererregung in Kombination
In Deutschland ist die qualifizierte Entzugsbehandlung Kassenleistung. Erste Anlaufstellen sind die hausärztliche Praxis, Suchtberatungsstellen von Caritas, Diakonie oder Kreuzbund sowie die Sucht- und Drogenhotline (01806 313031, anonym, kostenpflichtig aus dem Festnetz).
Sicherer Entzug zu Hause vs. stationärer Entzug
Ein Entzug zu Hause ist nur sinnvoll bei geringem bis mittlerem Konsum, ohne frühere schwere Entzüge, ohne relevante Begleiterkrankungen und mit einer zuverlässigen Person im Haushalt. Sinnvoll sind dann:
- Ausreichend Flüssigkeit und kleine, ausgewogene Mahlzeiten
- Vitaminversorgung, vor allem Thiamin (Vitamin B1)
- Kaffee und Energydrinks weglassen, sie verstärken Zittern und Angst
- Ruhige Umgebung, gedämpfte Reize
- Smartphone-Reize und Autoschlüssel außer Reichweite, solange die Konzentration eingeschränkt ist
- Eine Begleitperson, die regelmäßig nachsieht
Ein stationärer Entzug ist sicherer bei Schwerabhängigkeit, früheren Komplikationen oder Risikofaktoren. Vorteile:
- Engmaschige medizinische Überwachung rund um die Uhr
- Medikamentengestützte Symptomdämpfung, in der Regel mit Benzodiazepinen
- Sofortige Reaktion auf Krampfanfälle und Delir
- Direkter Anschluss an die Entwöhnungs- und Nachsorgephase
Was wird wann besser: Die Erholungsmeilensteine
- Nach 24 Stunden: Blutzucker stabilisiert sich, Atmung normalisiert sich.
- Nach 48 Stunden: Klarere Wahrnehmung, weniger Mundtrockenheit, erste Hautverbesserung.
- Nach 72 Stunden: Erste körperliche Energie kehrt zurück, sofern keine schweren Symptome bestehen.
- Nach einer Woche: Schlaf, Verdauung und Stimmung beginnen sich zu stabilisieren, Gesichtsschwellung geht zurück.
- Nach zwei Wochen: Mentale Klarheit deutlich besser, Angstpegel sinkt.
- Nach einem Monat: Leberwerte sinken messbar, Gewicht verändert sich, das Immunsystem wird stabiler.
- Nach drei Monaten: Gehirnstoffwechsel reorganisiert sich, emotionale Stabilität nimmt zu.
- Nach sechs Monaten: Herz-Kreislauf-Werte verbessern sich messbar, Krebsrisiko beginnt zu sinken.
- Nach einem Jahr: Bei intakter Leber weitgehende Erholung, deutlich reduziertes Rückfallrisiko.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert ein Alkoholentzug?
Der akute körperliche Entzug dauert in der Regel drei bis sieben Tage, mit dem Höhepunkt um Tag 2 bis 3. Die reine Entgiftung im klinischen Sinne wird mit fünf bis zehn Tagen angesetzt. Ein qualifizierter Entzug, der körperlichen Entzug und erste psychotherapeutische Arbeit verbindet, dauert meist 21 bis 28 Tage. Die anschließende Entwöhnung kann sich, je nach Schweregrad, über mehrere Monate bis Jahre erstrecken.
Wann ist das Schlimmste beim Alkoholentzug vorbei?
Für die meisten Menschen sind die schwersten körperlichen Symptome nach Tag 3 überstanden, also etwa 72 Stunden nach dem letzten Drink. Ab Tag 5 bis 7 ist der akute körperliche Entzug bei unkompliziertem Verlauf weitgehend abgeklungen. Psychische Symptome wie Angst, Schlafstörungen und Verlangen können dagegen Wochen bis Monate anhalten.
Was passiert nach 96 Stunden ohne Alkohol?
Nach 96 Stunden, also vollen vier Tagen, lassen Zittern, Schwitzen, Bluthochdruck und Herzklopfen bei den meisten Menschen sichtbar nach. Wahrnehmungsstörungen klingen ab, falls sie aufgetreten waren. Das Risiko für ein Delirium tremens, das sich typischerweise zwischen Stunde 48 und 96 zeigt, sinkt deutlich, sofern bis dahin keines aufgetreten ist. Der Kopf liegt häufig noch im Nebel, das Verlangen kommt in Wellen, der Schlaf ist unruhig. Genau jetzt ist die Rückfallgefahr besonders hoch, weil sich das Gefühl "ich habe es geschafft" verfrüht einstellt.
Wie lange zittern nach Alkoholentzug?
Bei einem milden Entzug verschwindet das Zittern meist innerhalb von vier bis sieben Tagen. Bei einem schweren Entzug oder nach einem Delirium tremens kann es zwei bis drei Wochen anhalten. Ein feines Restzittern, vor allem morgens, kann nach langjähriger Abhängigkeit mehrere Wochen bis Monate bestehen bleiben. Hält das Zittern nach Woche eins unvermindert an, gehört es in ärztliche Abklärung.
Was sind die Phasen des Entzugs?
Klinisch wird der gesamte Prozess in vier Phasen gegliedert:
- Motivationsphase: Entscheidung und Vorbereitung.
- Entgiftung: körperlicher Entzug, in der Regel fünf bis zehn Tage.
- Entwöhnung: psychotherapeutische Arbeit, meist drei bis neun Monate, häufig teilweise stationär.
- Nachsorge: Stabilisierung im Alltag, Selbsthilfe und ambulante Therapie über mehrere Jahre.
Kann man an Alkoholentzug sterben?
Ja. Ein unbehandeltes Delirium tremens hat eine Sterblichkeit von 15 bis 35 Prozent, mit adäquater Behandlung sinkt sie auf unter 5 Prozent. Auch ein einzelner schwerer Entzugskrampf kann lebensbedrohlich werden. Wer regelmäßig viel getrunken hat, sollte deshalb nie ohne ärztliche Begleitung kalt absetzen.
Ist es sicher, von einem Tag auf den anderen aufzuhören?
Bei niedrigem bis mittlerem Konsum ohne frühere schwere Entzüge ist abruptes Aufhören meist ungefährlich, aber unangenehm. Bei langjährigem starkem Konsum, früheren Entzugskomplikationen oder Begleiterkrankungen ist eine ärztlich begleitete Entgiftung angezeigt, weil das Risiko für Krampfanfall und Delir relevant erhöht ist.
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Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Inhalte basieren unter anderem auf der S3-Leitlinie "Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen" der AWMF und auf Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). Letzte Aktualisierung: Mai 2026.

